Anfangs war es nur eine vage Idee, dann entwickelte sich diese Website mehr und mehr zu meinem zweiten Wohnzimmer. Auch hier wollte ich Freunde einladen und um mich haben. Nun, da sind sie. Sie wurden Teil dieses Projektes … mir lieb gewordene Leute, die für ihr Steckenpferd so richtig brennen. Ihr Engagement wurde Teil ihres Lifestyles, nach außen.
Nach innen Teil ihrer Identität.
Wir sind, wie wir sind, jede Form von künstlerischem Ausdruck hat ihre Berechtigung, auch ohne Oskars, Museen oder Millionen-Publikum. Wir haben uns Raum geschenkt und bestärken uns in unserem Schaffen gegenseitig. Das ist mir total wichtig, wunderschön und macht Mut weiterzumachen …
„Kunst wäscht den Staub des Alltags von der Seele.“
Pablo Picasso
„Weisheiten von der WURZN„, der Dauergast auf meinem Sofa
Andis Vintage-Sammlung
Fat Lava-Vasen
Es ist die Wertschätzung alter Dinge, sei es Keramik, Möbel, Kleidung oder Gebrauchsgegenstände.
Andi
Es ist meine ganz persönliche Art eines bewussten Lebensstils.






















Interview mit Andi zu Fat Lava-Design
Bei mir im Interview ist Andi, mein langjähriger Freund und Weggefährte. Amüsant eingepackt in seine ganz persönliche Geschichte erzählt er uns Interessantes über Fat Lava-Design und den Stil der 60er in der Keramik.
Andi, wann und wie hat dich das Retro-Fever gepackt?
Als meine Oma vor etwa zehn Jahren verstorben war, sollte ich mich um die Räumung ihres Hauses kümmern. Zuerst war ich wenig begeistert, da ich wirklich sehr traurig war. Schließlich begann ich eben schweren Herzens die Habseligkeiten und Möbel meiner so geliebten Großmutter durchzuschauen.

Was hast du da entdeckt?
Diese bauchige Vase mit Henkel ist ein typisches Beispiel für deutsche Keramik der 60er und 70er-Jahre. Natürlich wusste ich das damals noch nicht. Ich fand sie in einem Badezimmer-Schrank, sie war versteckt im hintersten Winkel. Sie gefiel mir auf Anhieb und ich nahm sie mir als Erinnerungsstück mit.
Also du wusstest anfangs nicht, was das für ein Design war?
Nein, als ich danach begann, mich auf Flohmärkten umzusehen, stieß ich immer wieder auf diese Art von Vasen. Mit der Zeit stellte sich heraus, dass sie etwas Besonderes waren, zu jenem Zeitpunkt aber durchaus erschwinglich. Durch Recherchen wurde mir klar, dass es zu diesen Objekten eine große Sammlergemeinschaft in den USA und in Großbritannien gibt. Anscheinend wurde aus einer Massenware im Laufe der Zeit ein Kultobjekt. Mittlerweile werden sie nicht mehr so zahlreich auf Flohmärkten angeboten, da sie sich zu begehrten Dekorationsstücken in den Wohnungen etabliert haben. Vor allem bei denen, die das Retro-Design lieben.
Wie sieht die typische FAT LAVA Vase aus?
Schwer zu sagen … Mit der Zeit fand ich nämlich immer mehr neue Formen und Dekore dieser Vintage-Keramik. Auch in Second-Hand-Läden, wo ich immer wieder aus Interesse vorbeischaute. Aber bald war klar, nicht jede Fat Lava-Vase hat auch eine Fat Lava-Glasur!

Wie würdest du FAT LAVA also definieren?
Fat Lava-Keramik war Gebrauchsware und ist eine Sammelbezeichnung für deutsche Keramik der 50er- 60er- und 70er-Jahre. Wir haben sie als Kinder für Nuss-Schälchen, Stiftehalter oder alles Mögliche benutzt. Die Glasur einiger Objekte erinnert an dickflüssige Lava und wurde so namensgebend für diese Gegenstände.

Was fasziniert dich so an diesen Vasen, ihre Verschiedenartigkeit?
Ja sicher, auch, die Vielfalt der Formen, Farben und Muster ist wirklich beeindruckend und kann für wunderschöne Arrangements sorgen, wie man es oben in einem meiner Regale sehen kann. Auf dem Bild links hab ich eine eine Kombination mit Century-Design. Auch so gefallen mir die Fat Lava-Gefäße sehr gut. Das Ensemble aus Teak-Kerzenständern ist bei mir zuhause zu einem Eye catch geworden.
Welches Wohngefühl vermitteln dir diese Gegenstände?
Ich spüre durch sie eine Atmosphäre von Geborgenheit und Wärme. Beim Räumen des Hauses meiner Oma entbrannte auch mein Interesse für Retro-Möbel, die meinen Fat Lava-Vasen den geeigneten Rahmen bieten. Jene Möbel, dir mir in meiner kindlichen Umgebung so vertraut waren, vermitteln mir heute eine unglaublich wohlige Atmosphäre. Und eines kommt noch dazu, sie sind von erstaunlich guter Qualität, die meinen heutigen Wohnansprüchen immer noch genügt. Da danke ich meiner Oma wirklich.

Diese Vase sieht etwas anders aus! Woher hast du sie?
Manchmal hatte ich auch das Glück, ganz seltene Exemplare zu finden, wie diese Vase im Ethno-Stil. Ich habe sie in einem Carla-Shop zu 7 Euro erstanden. Das klingt vielleicht für manche komisch, aber all jene unter euch, die ebenfalls einer Sammlerleidenschaft frönen, verstehen sicher, wie sehr man sich freut, wenn man so ein besonderes Kunstobjekt ergattert oder manchmal sogar vor dem Sperrmüll rettet.
War der Handel irgendwann ein Thema für dich?
Offen gesagt, um Handel ging es mir persönlich nicht. In den letzten Monaten kam es allerdings online vermehrt zu Kontakten mit anderen Interessierten, die mir einzelne Stücke abkauften. Mir geht es aber nicht primär um den Gewinn, sondern eher darum, für Neues Platz zu schaffen und Altes weiterzugeben.
Was hat die Sammelleidenschaft aus dir gemacht?
Mittlerweile ist das Retro-Design ein Teil meines Lebens geworden und hat meine Einstellung zu Konsum verändert. Es ist die Wertschätzung alter Dinge, sei es Keramik, Möbel, Kleidung, und vieles mehr. Es ist meine ganz persönliche Art eines bewussten Lebensstils. Mein Beitrag eben.
Was kannst du Retro-Design-Fans als Tipp mitgeben?
Ganz einfach: Steht früh auf und geht auf Flohmärkte! Grast jeden Urlaubsort ab und kauft, was euch gefällt. Wenn ihr tieferes Interesse entwickelt, habe ich ein paar Tipps für euch.
Buchtipps:





Ein Dauergast auf meinem Sofa:
Wir leben gerade in bewegten Zeiten, die uns vor bisher nicht dagewesene Herausforderungen stellen. Was macht das mit uns?
Es macht uns unsicher, weil wir nicht mehr wissen, was von dem, das uns in den letzten Jahrzehnten selbstverständlich geworden ist, morgen noch Bestand hat. Gleichzeitig macht es uns sicher, weil wir in einem Land leben, das uns große Sicherheit gewährleistet. Es macht uns ängstlich, weil wir mit der Endlichkeit des Lebens konfrontiert werden. Gleichzeitig macht es uns mutig, weil uns bewusst wird, dass wir keine Zeit zu verlieren haben. Es macht uns schwach, weil wir uns auf Bisheriges nicht mehr verlassen können. Gleichzeitig macht es uns stark, weil wir viel über uns selbst lernen. Es macht uns wütend, weil wir das Handeln Anderer auf einmal nicht mehr verstehen. Gleichzeitig macht es uns dankbar, weil wir das, was ein „gutes“ Leben für uns ausmacht, mehr zu schätzen wissen. Es macht uns unmenschlich, weil wir glaubten in unserem Selbstverständnis von Dasein besser als andere zu sein. Gleichzeitig macht es menschlich, weil wir füreinander da sind.
Alles in allem macht es uns zu Menschen, die gerade lernen, mit alle dem umzugehen. Wir leben in einer Welt, die vielfältig ist. Sie macht uns dauernd Angebote. Diesem oder jenem zu glauben. Diese oder jene Meinung zu vertreten. Dieses oder jenes zu tun. Diesem oder jenem zu folgen. Vielleicht sind wir imstande, mehr Sinn zu finden, wenn wir sagen, ja, das ist nicht immer einfach. Mit einem sowohl als auch erlauben wir uns selbst diese Ambivalenz zuzulassen. Dem vermeintlich leichteren entweder-oder nicht nachzugeben. Eine klare Ansicht gibt zwar Halt, aber letztendlich ist die Welt zu komplex, um sie in Schwarz oder Weiß einzuteilen.
die Wurzn