Ausgefuchstes Unterbewusstsein

Oder die Chance, den eigenen Fall zu lösen

Als ich mich kürzlich mit meiner sogenannten Writer Persona, also die virtuelle Ausgabe von mir selbst, zu beschäftigen begann, stellte mir ein cooles Buch zum Thema Online-Texten die Frage, wer ich dort sein möchte und was ich denn von mir preisgeben will. Ok, um das herauszufinden, schlug das Buch einen Selbst-Test vor. In Ordnung. Das war recht leicht abzuwickeln. Bei einem gewissen Punkt allerdings ging es dann aber doch an´ s Eingemachte …

Was ist Ihre größte Schwäche? Auf diese Frage fiel mir sofort eine Eigenschaft an mir ein, die mich seit kurzem regelrecht in den Wahnsinn treibt. Kurzum es ist die Angewohnheit, meine ganz persönlichen Ideen mit Inbrunst hinauszuposaunen, noch bevor sie auch nur annähernd in eine Phase der Umsetzung gekommen sind. Dabei quassle ich mit Freunden, Verwandten und sogar Kollegen über meine Hirngespinste. Kennst du das auch? Auf jeden Fall, typisch ich und äußerst ärgerlich.

Kluge gehen anders vor Sie tüfteln ihre Kleinode zuerst einmal akribisch aus, setzen sie in aller Diskretion, step by step, um und behüten sie in einer intimen Kammer wie einen fragilen Schatz. Stolz und selbstsicher – sie haben ja 1000mal geprüft und korrigiert – servieren sie die fertige, vierstöckige Torte dem Rest der eigenen Welt auf dem silbernen Tablett. Ja, so machen es die Klugen.

Stolzes, dummes Herz Ich allerdings präsentiere ungefragt alles in einer urtümlichen Begeisterung (urdümmlich wäre treffender), währenddessen ich mich auch noch super innovativ und fortschrittlich finde. Freude durchströmt mein stolzes, dummes Herz und es pocht dabei wie eine Base-Drum. Freundliche Wesen freuen sich mit mir und teilen meine Euphorie oder lassen sich von meiner kindlich, naiven Erzählart irgendwie mitreißen. Andere weniger. Wie auch immer, kurze Zeit später sieht es meistens ohnehin nicht mehr so rosig aus … 

Shame on me! Das Ganze kippt emotional. Ich fühle mich doof, unkontrolliert in meinen Impulsen und schlicht lächerlich und aufdringlich mitteilsam. Solche kennst du, oder? So jemand, der dauernd Bestätigung braucht, dauernd hervorstechen muss. Nichts für sich behalten kann. Genau. Shame on me!

Die zweite Gabe. Zum Zweiten gibt es als Beilage dazu den Drang in mir, immer besonders harte Nüsse knacken zu wollen. Leuten meinen Senf hineinzudrücken, bei denen mir ein abfälliges Lächeln und ein, aah, wieder eine neue Karriere, schon im Vorhinein klar ist. Warum trage ich gerade bei denen so dick auf?

Was zum Teufel treibt mich da an? Wieso sind die Zyniker unter den ersten, die von den unausgereiften Plänen erfahren?  Was würdest du sagen? Also, die Hobby-Psychologin in mir vertritt die These, dass dieses Verhalten eine durchaus ausgeklügelte Strategie meines Unterbewusstseins ist. Anders kann ich mir das nicht erklären.

Wie macht es das? Es versetzt meinen wunderbaren Hirngespinsten den berühmten Tritt in den Hintern und macht den chillenden, freischwebenden Gedanken dermaßen Beine, dass sie sich schon aus purer Angst vor Bloßstellung zu einem Aufsatz formieren und im Ensemble der Worte Habtacht stehen. Eine rasche Klarheit im Kopf und Realisierung gehen einher, und das mild Belächelte wird in eine umwerfend spannende Sache verwandelt.

Alle werden baff sein. Die Tatsache, schon mit einigen großspurig über meine Ideen gesprochen zu haben, macht mir offenbar derart Dampf, dass ich die schwere, ungeölte Maschine mit großem Einsatz in Gang bringe und ein innerlich schon lang ersehntes, tief in mir schlummerndes Vorhaben endlich anpacke. Im Endeffekt, mir selbst einen Riesen-Wunsch erfülle. So nach dem Motto, echt cool, alle werden baff sein …

Mut ist gut. Meine Courage zu Offenheit und Selbstdarstellung (dazu brauche ich sie, denn das ist mir von Natur nicht gegeben), gepaart mit dem Risiko mich lächerlich zu machen, hat meinem inneren Motor den Brennstoff geliefert … ein ausgefuchster Mechanismus!
eine Vibe-Story

PS: Neues auszuprobieren und sich wie so viele andere einmal in die erste Reihe zu stellen und den eigenen Projekten Gewicht zu geben, wertet uns innerlich immens auf. Es nährt unsere innere Stärke und festigt das Gefühl der Identität in einer so unruhigen und bunten Welt.

Auch wenn unser Feingefühl und unsere Bescheidenheit das eigentlich nicht so gern sehen

Möglicherweise hast du Lust mich zu begleiten und bist mit an Bord auf meinen Irrfahrten durch das mentale Labyrinth … Es würde mich sehr freuen.

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