Der Masterplan

Oder muss man immer so erwachsen sein?

Endlich Mitte vierzig (vorbei). Noch immer stolpere ich hin und wieder über diese Binsen-Weisheiten über das Glücklich sein, die ich früher als recht hohl empfunden habe. Wie zum Beispiel Glück ist die Summe aller glücklichen Momente. Doch gerade dieser, auf den ersten Blick clichèehafte Satz, hat sich in mein Hirn eingebrannt. So, als wäre ich ein Alien in einem Science-Fiction-Film und man hätte mir ein Implantat eingesetzt, um die menschliche Sprache zu verstehen. Klar, die kenne ich schon. Allerdings, der Gedanke des Glück-Sammelns oder Aufsummierens irgendwelcher Momente war mir nicht so vertraut … Wie es eventuell doch funktionieren könnte, erleuchtete mich, als ich folgende Episode erlebte:
Kürzlich gegen neun kam mein Mann nach drei Tagen berufsbedingter Absenz nach Hause …

Sein verdatteter Blick war legendär. Ich kauerte gerade bei einem Film genüsslich auf der Couch, als ich ihn die Holz-Stiege herauf stapfen hörte. Irgendwie drängte es mich innerlich, diesem Augenblick einen speziellen Kick zu geben. Nur wie? Das war rasch klar. Urplötzlich schoss mir eine riesige, kindliche Lust ein, mit ihm Schabernack zu treiben … Mir blieben noch genau 6 fette Sekunden um diesen Masterplan zu realisieren. Flink sprang ich auf, und schlüpfte, lautlos wie eine Meisterdiebin hinter den bodenlangen, nächtens undurchsichtigen, braunen Leinen-Vorhang. Ich verharrte dort wie versteinert. Er kam ums Eck, sein verdatteter Blick auf die leere Couch war legendär. Just, nach dieser Zehntelsekunde seiner Verwirrung, schritt ich mit dem Vorhang über mir, als Geist hervor und johlte kraftvoll ein inszeniert gruseliges huuh.

So sein können, wie man als Kind war. In diesem ungewöhnlichen Momentum nahm sein argloses, freundliches Gesicht bisher unbekannt komische Züge an, die mir unendlich Spaß bereiteten und ich verfiel in ein kindisches, ursprüngliches, ja wahrhaftes Gelächter. Das hättest du sehen sollen! Es dauerte eine Ewigkeit, bis ich wieder den ach so erstrebenswerten Normalzustand erreichte. Gott sei Dank funktionierte auch an jenem Abend der ausgeprägte Sinn für Humor meines Mannes verlässlich im Vollmodus. Wir genossen die besondere Stimmung gemeinsam und gönnten uns im Anschluss schmunzelnd ein Glaserl Wein. Im Nachhinein betrachtet empfand ich meine Aktion irgendwie cool und ein bisschen verrückt, ich war, banal gesagt, einfach glücklich danach.

Lebendig und vif. Mir saß der Schalk im Nacken, ich war aufgekratzt, ein Mädel zum Pferdestehlen, wie früher als Kind, in den 1970ern, als solche Dinge normal waren und wir mit dieser Art Glück absolut zufrieden abends in unsere Betten fielen. Aber, meine Aktion war natürlich auch grenzwertig, wie man so sagt … Mann hätte sich ja so erschrecken können, dass das Herz aussetzt. Diese Formel kam zumindest immer aus Omas Munde, wenn ich derlei Unfug bei ihr ausprobierte …

OK, du hast recht. Dieser Joke ging auf Kosten eines anderen. Gut, ich geb´s zu. Aber diese Story swingt heute noch in meinen Gliedern und ich musste sie dir einfach erzählen. Vielleicht war sie auch ein schlechtes Beispiel. Aber es geht mir nicht darum, eine heilige Sameriterin zu sein oder mich selbst in Güte aufzulösen, sondern wann immer möglich, den persönlichen Momenten das Beste abzuringen. Außerdem ist es für die anderen meist kein Nachteil, denn wir sind keine Unmenschen und wissen: Geteiltes Glück verdoppelt sich!

Schmiede Masterpläne! Schnappe dir ein Fotoalbum mit lustigen Bildern aus euren Kinderjahren, leg´ eine Platte auf mit Hadern aus der Jugendzeit, ruf´ einen ehemaligen, witzigen Schulfreund an und haut gemeinsam ein paar alte Geschichten raus! Schließ´ die Augen, tauch´ ab und reis´ in Gedanken zurück ins Jahr 19 …. (oder auch 20 …) Danach schwing dich hoch, mit einem dezent frechen Schmunzeln auf den Lippen …

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